World of Warcraft - Das langsame Sterben eines MMO Giganten

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Desmodenia
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World of Warcraft - Das langsame Sterben eines MMO Giganten

von Desmodenia am 22.05.2011 08:08

                            

Vorweg eine persönliche Anmerkung zu diesem doch sehr langen Thread, der sich auf die Meldungen über schwindende Spielerzahlen im MMORPG WoW bezieht und die mich als alter, einst leidenschaftlicher WoWler seit Ende Vanilla/AnfangTBC Zeiten nicht wirklich verwundern.

Jemand, der dieses Spiel nicht gespielt hat (oder mit MMOs nichts anfangen kann), steht hier leider ein bisschen außen vor, denn er wird schwer wissen oder verstehen, um was sich die Thematik dreht und wo der Schwerpunkt liegt. Gomen, ihr Lieben.

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Das erste mal seit Release gehen die Userzahlen so deutlich zurück (600.000 weniger als zu Spitzenzeiten) und sogar WoW-Ikone und Urgestein Kungen dreht dem Spiel den Rücken zu. Geht WoW jetzt zu Grunde? Woran könnte das liegen? Stimmt das überhaupt?

Zunächst einmal muss ich sagen: Nach einer langen Pause, die mich Gott sei Dank das WotLK Addon nicht miterleben ließ, stieg ich - neugierig durch die vollmundigen Versprechen von Blizzard- erneut in das Spiel ein und fand problemlos zurück in meine alte Gilde, die sich freuten meinen virtuellen Ego wieder zu sehen. Ich hatte einiges nachzuholen und binnen zwei Wochen erreichte ich das Levelcap von 85 und ich bin enttäuscht.

Wenn ich mir WoW heute ansehe, dann sehe ich, grob über den Daumen gepeilt, einen kinderleicht zu spielenden Content, der im Prinzip nur die aufgewärmte Kacke von Damals ist. Es fehlt an sinnvollen Herausforderungen an allen Ecken und Enden und das Balancing ist völlig zerstört. Da kann nicht mal das hundertste "tolle" Mount (was man mittlerweile von Blizz in den Popo geschoben bekommt wie Zäpfchen) darüber hinwegtäuschen.

"Mein" Azeroth, welches ich zu großen Teilen in guter Erinnerung hatte, ist nicht mehr und das ist garantiert nicht Deathwing in die Schuhe zu schieben.

                             

Seit dieser erschreckenden Erkenntnis habe ich genau zweimal eingeloggt und für mich entschlossen, dass es in WoW für mich einfach nichts Interessantes mehr zu tun gibt außer Raiden und ich denke so geht es einer Menge von Spielern und ich glaube ebenfalls, dass mehr Spieler denn je ohne festen Raid sind. Dabei sollte es doch eigentlich leichter gehen, jetzt wo alles auf 10er Raids ausgelegt ist!

Mehr Raids brauchen mehr Leader

Ich habe da eine gewagte Theorie. Es braucht immer besonders engagierte Spieler um einen Raid auf die Beine zu stellen. Mit „mal eben eine Gruppe aufmachen und gucken wer so auftaucht" bekommt man nämlich vielleicht 10 Leute zusammen, mit denen wird man aber meistens nicht viel reißen können. 10 Spieler-Raids bedeuten mehr Raids und das wiederum bedeutet man braucht mehr von diesen Spielern. Wenn so ein Spieler einen 25er Raid betreut schafft er also Raidplätze für 24 Mann. Wenn ein Spieler einen 10er Raid organisiert nur für 9. Wenn man das mal hochrechnet braucht man bei 25er Raids nur 300 Raidleader für 7200 Spieler aber 800 für 10er Raids. Und da ist noch nicht bedacht, dass engagierte Spieler oft engagierte Spieler anziehen und so landen dann alle diese Spieler aus dem alten 25er Raid oft im neuen 10er und 15 Spieler haben keinerlei Führung. Noch ein Rechenbeispiel anyone? Gehen wir von 20 Gilden aus, die ihren 25er in einen 10er Raid gewandelt haben und wo sich keiner um die Restmasse gekümmert hat sind das mal eben 300 Spieler die ohne vernünftigen Raid da stehen. Wer keinen Raidplatz hat, zockt vielleicht noch ein bisschen vor sich hin, macht ein bisschen PvP, fängt hier mal wieder einen Twink an, macht da seine Dailies und kümmert sich um Zeifresser wie Archäologie... und dann hört er auf, weil es irgendwann einfach nichts mehr zu tun gibt.

Heroischer Content ist kein Content


Klar kann man sagen, dass man den Content noch nicht clear hat, wenn man nicht alle heroischen Versionen besiegt hat. Allerdings will eine Vielzahl der Spieler einfach nur mal alles gesehen haben und da ist ein Heroic-Mode keine wirkliche Motivations-Stütze. Die Kämpfe laufen oft ähnlich ab und es sind eben doch nur die gleichen alten Bosse. Das ist so ähnlich wie einen alten Arcade-Titel noch mal durchzuspielen, um diesmal eine Höhere Punktzahl zu erreichen oder ein neueres Spiel mit allen Achievements noch mal zu spielen. Klar machen das einige Spieler. Aber die sind sicher in der Minderheit.

Das Argument mit den Feuerlanden noch zu warten, weil so viele Spieler den Content noch nicht clear haben ist für mich kompletter Schwachsinn. Mit gutem Balancing bzw. einem Gearcheck Encounter ist es genauso getan. So müssen die Casuals halt noch ein wenig die älteren Raidinstanzen spielen, bis sie ausreichend Gear für die nächste Instanz haben. Alle andren haben wieder etwas Neues ohne das hundertste Mal an einem Heroic Encounter zu wipen, der eben nur mit extrem viel Übung machbar ist. Das war ja in Classic und BC auch so. „Aber dann haben ja nur 5% der Spieler den Endboss gesehen". In Classic und BC galt das. Ja. Da waren die Encounter aber auch noch viel schwieriger und auf High-End gebalanced. Dafür sind doch jetzt die Heroics da! Heroics sollen den extrem guten Spielern noch ein wenig Zeitvertreib liefern, während sich die etwas schwächeren durch die normale Instanz kämpfen und nicht bodenlos an Heroics wipen, weil es nichts Besseres zu tun gibt. Momentan haben 70% aller Gilden auf WoWprogress (denkt dran, dass da auch welche dabei sind, die vielleicht nur ein mal raiden waren, nicht mehr raiden bzw. garnicht raiden) die Endbosse gesehen. Für viele Spieler ist das ein Grund erst mal gar nicht mehr zu spielen (habe ja alles gesehen).

                      

Wie lang will man denn noch mit neuen Instanzen warten? Früher war es doch völlig normal, dass man schon in die nächst höhere Instanz wanderte bevor der Endboss lag! Es hat sich erst mit WotLK eingebürgert, dass man alte Instanzen gar nicht mehr geht. (Gab ja dann die Marken) Früher gab es Instanzen die auf Farmstatus waren und anschließend ist man mit wieder ein bisschen besserem Gear in die Progress-Instanz gewandert. Es ist kein Wunder, dass Spieler aufhören, wenn Blizzard einfach nicht genug Raidcontent liefert.

Laut der News vom Member-Rückgang hat Blizzard ja wohl eingesehn, dass zu langsam neuer Content kommt. Allerdings fragt man sich da, warum die Feuerlande (die ja eigentlich mit Release erscheinen sollten!!!) nur sieben Bosse beinhalten... und noch eine Frage: Warum werden eigentlich Sets überhaupt nicht mehr erweitert (wie beispielsweise von Black Temple auf Sunwell)? Würde das nicht irgendwie auch ältere Instanzen interessant halten und so den generellen Raidcontent erweitern? Warum muss man denn immer pro Instanz eine neue Item-Level-Stufe einführen?

Hohe Member-Fluktuation demotiviert Leader

Durch die Vercasualisierung (ein wundervolles Wort) wird es immer leichter mal eine längere Pause zu machen und später wieder einzusteigen. Das führt dazu, dass Gilden permanent auf Membersuche gehen, weil Spieler ständig aufhören oder sich nur noch unregelmäßig zu Raids anmelden. Man kann eben damit rechnen, dass der nächste Patch es schon regeln wird, wenn es darum geht wieder mit vorne dabeizusein. Was ja an sich eine schöne Änderung ist, um auch Gelegenheits-Spielern den Spaß am Spiel zu erhalten, ist für Raidleader schwierig.

Wenn man sich fast jede Woche auf neue Spieler und damit auch neue Persönlichkeiten einstellen muss, wird das für Raidleader nicht gerade einfacher. Zumal der Raidleader derjenige ist, der eben immer anwesend sein muss und motivierend auf ältere Spieler einreden muss, die auch langsam die Lust verlieren mit den Neuankömmlingen alt-bekannte Taktiken durchzugehen. Wenn der Leader dann verständlicherweise irgendwann das Handtuch wirft sitzen die nächsten Spieler ohne Führung auf der Straße.

Revamps und Nostalgie-Geschichten sind super, aber nicht ausreichend

Ich habe mich über die Veränderungen der alten Welt tierisch gefreut und auch die neuen Quests in den alten Gebieten sind super und ich hatte tierisch viel Spaß das alles neu zu erkunden. Aber wie lange kann man über die alten Gebiete fliegen und sich freuen wie anders jetzt alles aussieht? Und wieviele Twinks kann man noch hochspielen um sich an den neuen Quests zu erfreuen?

Alte Instanzen neu zu machen ist auch eine klasse Idee, aber es bleiben eben alte Instanzen, die man schon einmal gesehen hat und mehr als ein wohlig warmes Nostalgie-Gefühl bleibt eben nicht zurück, wenn man die alten neuen Instanzen noch mal durchstreift. Das motiviert. Aber wie lange? Ein Revamp als kompletten Content zu verkaufen mag zwar vom Entwicklungsaufwand ähnlich sein, aber das bringt doch nichts, wenn der Spieler davon wenig hat!



Community-Spieler

Mit das Einzige, was WoW noch zusammenhält ist eine verdammt große Community mit vielen Leuten die schon seit Jahren zusammen spielen und nicht mehr auf das „Zusammen" verzichten wollen. Wie oft ist euch aufgefallen, dass ihr bereits stundenlang in einer Hauptstadt rumsteht und WoW nur als sau teures Chat-Programm nutzt?

Wenn euch das noch nie passiert ist, fällt es euch sicher nicht schwer mit dem Spiel aufzuhören bzw. ist es euch nicht schwergefallen aufzuhören. Für alle anderen ist das ein harter Schritt, denn schließlich lässt man ja irgendwo seine Freunde im Stich und so bleibt man halt noch ein bisschen und steht noch ein bisschen rum in Orgrimmar oder Stormwind und dann gibt es halt eben doch wieder tolle Geschichten. Der spontane Städte-Raid mitten in der Nacht, die 5er Heroic ohne Tank und Heiler, die Jagd nach den Allis oder den Hordlern, die grade den Twink gekillt haben, den Firstkill eines besonders harten Bosses, der besoffene Störenfried im TS und und und...

Die Community belebt sich eben selbst, doch wie lange geht das gut? Irgendwann, wenn auch die tapfersten und treusten Spieler aufhören, sagt WoW leise servus.





            

Antworten Zuletzt bearbeitet am 11.08.2014 14:17.

Sora
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Re: World of Warcraft - Das langsame Sterben eines MMO Giganten

von Sora am 11.08.2014 14:56

Ich bin leidenschaftlicher MMO Zocker
erinnere dich du hast mich damals zu Runes of Magic gebracht^^
Ich hab mir noch nicht den gesamten Artikel durchgelesen aber das werde ich noch tun.
Zur Zeit spiele ich Star Wars the old Republic, WOW kenne ich gar nicht.
Daher werd ich wie du schon sagtest vllt nicht alles verstehen, aber die MMOs gleichen sich ja in vielen Dingen.
Ich werd nochmal gründlich durchlesen  

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Desmodenia
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Re: World of Warcraft - Das langsame Sterben eines MMO Giganten

von Desmodenia am 19.08.2014 21:48

Ich erinnere mich. Ich will nur im Voraus sagen, dass WoW kein f2p MMORPG ist, sondern eines mit monatlichen Abogebühren im Rahmen von 13 Euro. Dafür ist eben jedweder Spielinhalt frei von Zusatzzahlungen, es sei denn es ist dir ein massives Bedürfnis Shopmounts, Haustiere oder einen sauteuren Charboost auf den aktuellen LvlCap zu erwerben. Letzteres ist nicht zu empfehlen, da nicht nur unerhört teuer, sondern auch absolut tödlich was die Beherrschung deiner Klasse angeht. Obendrein geht dir vieles von der riesigen Welt von Azeroth verloren. Ja, WoW ist riesig und es gibt an allen Ecken und Enden etwas zu entdecken. Wenn man neu im Spiel ist, weiß man so gesehen nicht wirklich, wo man zuerst anfangen soll. Daher bietet WoW unverschämt viel Abwechslung für Anfänger.

Da ich WoW allerdings schon länger spiele (über sechs Jahre müssten es sicherlich sein), stellt sich bei mir aktuell - und besonders weil das Contentloch so klafft) eine gewisse Öde ein. Trotz allem, gleichgültig meines Beitrags oben, kann ich ein Schnuppern in WoW nur empfehlen. Es ist ein spaßiger Zeitvertreib. Jedoch sei gesagt, dass Spieler in Azeroth ein dickes Fell haben müssen, da die Community inzwischen auf einem Niveau angelangt ist, welches man nur als unterirdisch bezeichnen kann. Daher ist das frühe Eintreten in eine Gilde ratsam. Spart Zeit, Nerven und graue Haare.





            

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