Griechenland

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Desmodenia
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Griechenland

from Desmodenia on 07/04/2011 07:24 PM

Wir können es bereits seit einer geraumen Zeit verfolgen. Die Misere mit der Griechenlandpleite. Das Land steht vor dem Staatsbankrott und kann nur mit millionenschweren Hilfen der anderen EU Länder, aller voran Deutschland, am Leben gehalten werden.

Diese Hilfen gehen jedoch mit Auflagen einher, die einen stirkten Sparkurs seitens der griechischen Regierung fordern, welche sich vor allem im sozialen Bereich und im öffentlichen Dienst auswirken. Das Volk geht auf die Barrikaden. Unruhe, Gewalt und Demonstrationen sind an der Tagesordnung. Geschäfte werden verwüstet und die Polizei liefert sich brutale Kämpfe mit den Demonstranten.

Hierzulande spuckt die Presse, allen voran die BILD, Gift und Galle, stempelt die Demonstranten als Randale, Hooligans und weiß der Geier nicht was ab. Nun frage ich euch, was ihr von der ganzen Griechenland Geschichte haltet.

Ist es gerechtfertigt Steuegelder in ein Land zu pumpen, dessen "Elite" seit Jahrzehnten über die Verhältnisse gelebt und das Land in die Schulden getrieben hat?
Mittlerweile schreien viele, dass man Griechenland aus der EU werfen soll. Gerechtfertigt oder nicht? Was meint ihr woher diese Schulden kommen, weil einfach mal so über Nacht kann ein komplettes Land nicht einfach pleite gehen.

Was haltet ihr von den Ausschreitungen? Ist Griechenland der Vorreiter, ein Funken, der unser derzeitigtes System umstürzen wird? Die Regierung in Griechenland schlottert vor dem Zorn des Volkes und geht mit allen Mitteln dagegen vor. Ist das noch Demokratie? Handelt sie richtig oder falsch?

Ich bin gespannt auf eure Meinungen.

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SoraUltima
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Re: Griechenland

from SoraUltima on 07/04/2011 07:33 PM

dessen "Elite" seit Jahrzehnten über die Verhältnisse gelebt und das Land in die Schulden getrieben hat?

Genau das ist es wo ich sage, sollen die Griechen zusehen wie sie fertig werden. Sie sind schließlich größtenteils selber dran schuld.
Wir deutschen sind ja auch nicht grad ein reiches Land und dann sollen wir noch was abgeben..tja ich weis nicht.
Auf der einen Seite macht es einen natürlich sauer, aber auf der anderen fragt man sich schon wie es dazu kommen konnte. Und was würde unser Staat machen wenn es uns mal so treffen sollte?

Das kann man so und so sehen, aus der EU muss man sie nicht gleich schmeissen. Finde ich jedenfalls.


Was den Sparkurs von Griechenland angeht, so finde ich das denen ja kaum was anderes übrig bleibt.
Ich meine was sollen die sonst machen? Großkotzig noch mehr Geld verlangen damit sie nich sparen müssen?
Nee...
Also irgendwo müssen die ja mal anfangen was zu ändern.

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Katta

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Re: Griechenland

from Katta on 07/04/2011 08:02 PM

Natürlich sollten sie sparen, es kann nicht angehen, dass ein Staat munter Finanzspritzen verbrät und dann betteln kommt. Dafür ist die EU nicht gedacht, wobei Deutschland schon immer die Lok war, die so manches andere Land mitgezogen hat. Trotzdem ist irgendwann auch mal Schluss, denn wir haben auch genug Schulden, die stetig anwachsen und ich kann mir nicht vorstellen, dass die anderen Länder Deutschland so bereitwillig unter die Arme greifen würden...

Andererseits verstehe ich die Wut der Menschen, die nun um ihre Existenz bangen müssen. Doch es ist wie immer die obere Schicht verprasst was das Zeug hält und im Endeffekt haben die kleinen Leute die Last zu tragen.


   

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Desmodenia
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Re: Griechenland

from Desmodenia on 07/04/2011 10:48 PM

Also, vorneweg ist anzumerken, dass Deutschland kein Zugpferd in dem Sinne ist, sondern auch nur, wie alle Länder dieser Welt, auf Pump von Banken lebt. Daher auch die Inflation derzeit. Je mehr Geld im Umlauf, desto geringer der Wert. Korrigiert mich, sollte ich da falsch liegen.

Griechenlands maroder Haushalt war allen EU Ländern bekannt, haben die Banken vor dem Votum gewarnt, dass man sich da ein "faules" Ei ins Nest holt. Fakt ist, dass in Griechenland Millionäre leben die ihr Jahreseinkommen auf ihrer Steuererklärung gerade mal mit 10.000 Euro angeben, aber mal fluchs mit der Jacht auf die noble Nachbarinsel zum Shoppen shippern, die Gattin am Pool der töften Villa einen Cocktail schlürft, der ihr vom Buttler gebracht wurde, während Sohnemann und Töchterlein an der teuren Privatschule büffeln. Wahrlich, eine arme Familie.

Hinzu kommt der aufgeblasene Wasserkopf. Beamte wollen bezahlt werden und das nicht zu knapp. Da jeder kapitalistische Staat nun mal die Angewohnheit hat seine Büttel gütig zu besolden, ist es nicht verwunderlich, dass sowas stark am Finanzhaushalt eines Landes zehrt. Hinzu kommen Steuergeschenke der Politik an Großunternehmer und die oberen Zehntausend.
Der kleine Grieche auf der Straße, der jeden Tag zur Arbeit wackelt, kann nichts für die Verschuldung, denn die Griechen müssen ebenso Steuern belchen wie wir auch und eben auch für den gleichen Mist wie wir.

Ein weiteres Dilemma ist das Gebaren eben jener warnenden Banken. Die meinten zwar, dass Griechenland monetär alles andere als gut dasteht, ließen es sich aber nicht nehmen weiterhin dubiose Geschäftige mit der Regierung zu tätigen. Ich kenne mich mit dem Bankenwesen nicht aus, doch es wird vermutlich um Wertpapiere, Staatsanleihen etc gehen.

Den Sparkurs halte ich für richtig, aber ich finde es lächerlich, dass man von Griechenland erwartet die Kredite zurückzahlen zu müssen. Wie können Merkel und Co auch nur glauben, dass ein Land, was sowieso nur noch durch Finanzspritzen funktioniert so viel Wirschaftlichkeit und Geldvolumen aufbringen kann um den Kredit mit Zins und Zinseszins zurück zu zahlen. In Mathe wird zwar aus Minus und Minus gleich Plus, aber leider funktioniert das nicht im realen Leben.

Leider jedoch setzt die Regierung, wie es nicht anders von einem kapitalistischem System zu erwarten ist, die Sparzange am falschen Ende an. Es wird im öffentlichen Dienst gespart. Krankenhäuser, Schulen etc. Nicht etwa bei den Beamten, bei den Diäten der Regierungsvorsitzenden. Nein, es trifft den kleinen Mann und das ist eben die Ungerechtigkeit.

Andererseits verstehe ich die Wut der Menschen, die nun um ihre Existenz bangen müssen. Doch es ist wie immer die obere Schicht verprasst was das Zeug hält und im Endeffekt haben die kleinen Leute die Last zu tragen.


So funktioniert es schon seit Jahren, auch hier und vor allem in Deutschland. Abschöpfung der Gewinne für eine kleine elitäre Runde, Verteilung des Verlusts auf die Allgemeinheit. Ich bewundere die Griechen für ihren Mut sich endlich dem zu stellen. Die Folgen werden aber ganz dezent verschwiegen und wenn nicht, so lange mit Lügen bestückt, bis die Wahrheit nicht mehr zu erkennen ist.

Bild redet von Randalen. Fakt ist, dass die Polizei bewusst die Demonstranten provoziert und mit voller Absicht einen fünfzehnjährigen Schüler Anfang des Jahres auf offener Straße vor den Augen der Bevölkerung erschossen hat. Was darauf folgte war eine Welle der Gewalt. Gewollt und beabsichtigt, denn es wäre Unmöglichkeit auf eine friedliche Demonstration einzuknüppeln... immerhin muss der Schein gewahrt bleiben.

Ob nun mit oder ohne den Tod des Jungen, es wäre so oder so eskaliert. Amüsant finde ich nur, dass uns all das von unseren "seriösen" Medien verschwiegen wurde und man sich solche Infos sehr umständlich aus dem Netz kramen muss. Es scheint, dass den Oberen (wer auch immer das alles ist) in Griechenland und der EU allgemein langsam die Muffe geht. Ich für meinen Teil bin gespannt, was sich in Griechenland ergibt.

Natürlich sollten sie sparen, es kann nicht angehen, dass ein Staat munter Finanzspritzen verbrät und dann betteln kommt. Dafür ist die EU nicht gedacht, wobei Deutschland schon immer die Lok war, die so manches andere Land mitgezogen hat. Trotzdem ist irgendwann auch mal Schluss, denn wir haben auch genug Schulden, die stetig anwachsen und ich kann mir nicht vorstellen, dass die anderen Länder Deutschland so bereitwillig unter die Arme greifen würden...


Ach Some, ist doch egal ob wir nun unsere Steuergelder nach Griechenland schicken, sie Daimler in den Arsch blasen oder die Banken damit füttern. Mach dir mal keinen Kopf, es gibt immer eine neue Sau am Trog, die sich mästen lässt, selbst wenn sie kurz vor dem Platzen ist.
Es ist nichts anderes als eine Veruntreuung von Steuergeldern, denn was glaubst du was mit dem Zaster in Griechenland gemacht wird? Der geht nur an die Freunde und Diener der Regierung, die sich ebenfalls einen gehörigen Teil davon abzwackt. Der Rest guckt in die Röhre.

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Katta

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Re: Griechenland

from Katta on 07/04/2011 10:54 PM

Es ist nichts anderes als eine Veruntreuung von Steuergeldern, denn was glaubst du was mit dem Zaster in Griechenland gemacht wird? Der geht nur an die Freunde und Diener der Regierung, die sich ebenfalls einen gehörigen Teil davon abzwackt. Der Rest guckt in die Röhre.


Genau das hatte ich eigentlich im Sinne als ich das
dass ein Staat munter Finanzspritzen verbrät und dann betteln kommt.
schrieb.


   

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Re: Griechenland

from Desmodenia on 07/04/2011 11:36 PM

Ich wollte dein Geschriebenes auch nur noch einmal mit meinen Aussagen unterstreichen *aetsch*

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Katta

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Re: Griechenland

from Katta on 07/04/2011 11:37 PM

Also so nicht *zicke* :D


   

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Desmodenia
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Re: Griechenland

from Desmodenia on 10/09/2011 06:38 AM

Das Thema Griechenland ist immer noch brandaktuell und verliert nichts an Brisanz. Hier kann man die aktuellen Neuigkeiten über Griechenland, den Rettungsschirm und dem Durcheinander in der Euro Zone nachlesen. Dennoch mache ich mir durchaus Gedanken, zumal einige Stimmen in der Regierung immer lauter werden, dass man Griechenland aus Europa schmeißen soll und sie wieder auf ihre alte Währung gehen müssen.

Zu einem befürworte ich das, doch wenn wir damit anfingen, könnten wir gleich die Reihe weitergehen und mit Italien, Spanien und Portugal weitermachen. Deutschland und Frankreich sollten sich ebenfalls an die Nase fassen, bauen sie ihr marodes System ebenso auf Schulden auf, wie jeder andere Staat. Daher halte ich diese wutschnaubende Arroganz einiger Boulevardzeitschriften für übertrieben. Es scheint für manche Staaten eben zum guten Ton zu gehören sich mit Billiarden in die Kreide zu misswirtschaften. Einige haben Glück und kommen gut weg und können sich über ihre Währung entschulden, wie das bei den Vereinigten Staaten der Fall ist (Passenderweise restauriert sich die USA über die Eurokriese, welche nicht von ungefährt kommt. Wir kennen die finanzwirtschaftlichen Schiebereien der Staaten an den Weltfinanzmärkten). Aber Griechenland ist zu klein und hat keineswegs die Bruttopower wie andere Euroländer, welche jedoch - wenn wir ehrlich sind - auch nur darauf beruht, den kleinen Mann von der Straße bis zum absoluten Limit zu melken, auszupressen und so lange zu kneten, bis auch der letzte Cent aus der Unterbuchse gefallen ist

Andererseits kann man nun sagen, dass man auch in dem Bett schlafen soll, welches man sich gemacht hat. Ich kann mich noch erinnern, wie unsere Politker das deutsche Volk endmündigt haben, als es um Zusagen für Europa ging. Die Meinung des Volkes hat nicht interessiert, Umfragen wurden nicht gemacht. Es wurde geschoben, vertuscht und verfälscht was das Zeug hergab. Ein Skandal, der jedoch nie an die Glocke gehängt wurde, was allerdings Not getan hätte, denn viele Deutsche waren nicht für ein vereintes Europa... auch nicht für den Euro, den Altkanzler Kohl uns als letzte Erbkrankeit seiner desaströsen Politik hinterlassen hat.
Fröhlich haben die Gründerstaaten also alle Länder aufgenommen, die an der Tür gekratzt haben und, obwohl es strenge Vorgaben gab, hat man sich nie daran gehalten. Banken warnten eindringlich und mehrfach Griechenland nicht aufzunehmen, teilten mit, dass deren Staatshaushaltsangaben frisiert waren, dass sogar dem typischen Pokerabendschummler die Schamesröte ins Gesicht geschossen wäre. Niemand wollte hören, unsere Politik war geil auf Griechenland... warum auch immer. Welche internen Ränkespielereien, Verwandschaftstverhältnisse, Bankeninzuchtfreundschaften da wieder eine ausschlaggebende Rolle spielten, bleibt uns verborgen und wird es auch immer bleiben. Unverantwortlich jedoch das Verhalten von unserer Führungsriege.

Eine andere Sache ist, dass wenn wir Griechenland jetzt aus der Eurozone werfen, Europa und der Euro in ganz großem, erniedrigenden Stil gescheitert sind. Was ich für meinen Teil mit nackter Häme belachen würde, doch soweit lassen es Merkel, Sarkozy und all die Speichelleckermarionetten der europäischen Banken nicht kommen. Europa ist in den Augen unserer so genannten Elite völlig nebensächlich. Es geht hier um Steuerschiebereien und interne Bankgeschäfte, denn Letztere verdienen sich an der Griechenlandpleite eine goldene Nase. Und das tollste ist: Wenn doch alles in Schutt und Asche liegen sollte, war es nicht das eigene Geld, sondern das von den Steuerzahlern. Es bleibt also alles beim Alten und ist bezeichnend für Merkels gängige Politik: Gewinne für Einzelne maximieren, Verluste auf die Allgemeinheit abwälzen. Daher werden unsere Politiker auch nicht aufhören Milliarden und Billiarden von Euro auf verschleiertem Weg, getarnt als Rettungsschirm, zu veruntreuen. Dem griechischen Staat wird nicht geholfen. Würde man effektiv helfen wollen, hätte man den Griechen einen glatten Schuldenschitt angeboten, der alles anulliert. Das Land kann seine Schulden nicht tilgen. Nicht heute, nicht morgen und auch in den nächsten zehn Jahren nicht. Ganz besonders nicht mit einem zweiten Schuldenberg. Um das zu verstehen, muss man weder Mathematik studiert haben, noch ein Genie sein.

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