Diablo 3 - Die Himmel sollen erbeben

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Desmodenia
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Diablo 3 - Die Himmel sollen erbeben

von Desmodenia am 02.03.2013 14:46



Nach über sechs Jahren Entwicklung und einem beispiellosen Hype ist Diablo 3 am 15. Mai 2012 erschienen. Seitdem glühen die Internetforen, in denen die Fans hitzig und kontrovers über Blizzards Action-RPG diskutieren. Ist es so gut (oder schlecht) wie erwartet? Grafik zu bunt? Talentesystem zu casual? Online-Zwang eine Zumutung? Diese Fragen und viele mehr beschäftigen die Spieler, und das wird auch sicher noch eine ganze Weile so gehen. Immerhin tritt das Spiel ein verdammt schweres Erbe an, das von Diablo 2 nämlich, das sich 12 Jahre (!) als Genre-Referenz behaupten konnte. Ist Diablo 3 der Anfang von etwas ähnlich Großem? Wird man das Spiel noch in zehn Jahren spielen? Das weiß heute natürlich noch niemand. Sicher ist aber: Diablo 3 hat das Zeug dazu und ich spiele seit nunmehr fast einem Jahr mit und werde es wohl noch eine verdammt lange Zeit tun, denn egal wie viel man auch zu meckern hat, Diablo 3 ist breits jetzt Kult und das meist- und am schnellsten verkaufte Spiel der Geschichte.

Diablo 3 ist schneller, zugänglicher, actionreicher als sein Vorgänger, dabei aber ähnlich süchtigmachend und motivierend. Grandiose Klassen, effektgeladene Kämpfe, wunderschöne Umgebungen und hohe Wiederspielbarkeit heben Diablo 3 von seiner Konkurrenz ab. Obwohl spielerisch vieles beim Alten bleibt, trennt sich Blizzard auch von einigen vertrauten Spielmechaniken des Vorgängers, insbesondere von dem alten Talentesystem – es ist die wichtigste und zweifellos umstrittenste Neuerung gegenüber Diablo 2.

Die derzeit größte Aufregung erntet aber die verpflichtende Internet-Anbindung: Diablo 3 ist offline nicht lauffähig, man muss zum Spielen dauerhaft mit den Battle.net-Servern verbunden sein. Genau diese ächzten zum Release aber unter dem gigantischen Spielerandrang, so sehr, dass viele Spieler anfangs gar nicht erst auf die Server kamen. Seitdem hat sich die Lage spürbar gebessert, nur zum Sonntag fielen die Server nochmals unerwartet aus. Es bleibt zu hoffen (und zu erwarten!), dass solche Downtimes unschöne Ausnahmen bleiben und mit der Zeit Gras über die Sache wachsen kann. Denn es wäre sehr schade, wenn Diablo 3 für wackelige Server in Erinnerung bleiben würde, und nicht dafür, was es durch und durch ist: ein großartiges Spiel.

Süchtigmachender, flüssiger Spielablauf

Diablo 3 entfernt sich kaum von der Formel des kultigen Vorgängers, und das ist auch gut so. Alleine oder mit bis zu drei Mitspielern scheuchen Sie einen übermächtigen Helden durch ein Fantasy-Reich, klicken Monster tot und heben zufällig fallende Beutestücke auf. Das war's im Wesentlichen. Warum das auch in Diablo 3 wieder unverschämt viel Spaß macht? Weil Blizzard diese Formel nahezu perfekt umsetzt! Diablo 3 "fließt" einfach, binnen Minuten gerät der Spieler in einen Rausch aus Erfolgserlebnissen, häuft mit jedem Klick mehr Beute, Gold und Erfahrungspunkte an. Hinzu kommt der wichtige Zufallsfaktor: Jeder Klick, jeder besiegte Gegner, jede Schatztruhe kann zu einer tollen, zufällig ausgewürfelten Belohnung in Form eines Items führen. Motivierend!

Motivierende Beutejagd

Blizzard schüttet Unmengen an Items über dem Spieler aus – der wohl größte Motivationsfaktor in Diablo 3. Die Fundstücke werden entweder im eigenen Inventar untergebracht, beim Händler verscherbelt, im Auktionshaus (für Gold oder echtes Geld) angeboten oder beim Handwerker zu Rohstoffen verarbeitet. Das geht schnell in Fleisch und Blut über, macht einfach Spaß.

Kraftvoll inszenierte, wuchtige Kämpfe

Egal ob der Barbar zuhaut, die Zauberin ein Blitzgewitter entfesselt oder der Hexendoktor einen Schwall grüner Kotze über seine Gegner ergießt: Es fühlt sich einfach gut an, wie es die Monster, Dämonen und Untoten so im Sekundentakt zerbretzelt, zersäbelt, verbrennt oder häutet. Kein anderes Action-RPG kann da mithalten, wenn in Diablo 3 die Fetzen fliegen. Und das tun sie in der Tat: Dämonenblut und Monstergedärm spritzen durchs Bild, Levelkulissen gehen eindrucksvoll zu Bruch, magische Druckwellen schleudern ganze Gegnergruppen durch die Gegend, stets begleitet von satten Soundeffekten – das Trefferfeedback ist unheimlich befriedigend und ein wichtiger Grund dafür, dass das Gemetzel auch nach Stunden nicht langweilig wird.

Sehr gute Grafik

Der Look von Diablo 3 ist bunter, farbenfroher, ein wenig comichafter als der des Vorgängerspiels. Das ist keine Kritik, muss aber zumindest klar gesagt werden. Klar ist und bleibt: Die Grafik des Spiel ist nicht nur gut, sondern ein echtes Highlight des Spiels! Die Zauber- und Physikeffekte sind enorm detailliert, das Design der Gegner ist fabelhaft und die Levels und Monster sind wunderbar abwechslungsreich. Da stört es auch nicht weiter, dass manche Bodentexturen etwas verwaschen wirken – der Look ist einfach stimmig und trotz der vielen Farben immer noch sehr düster.

Fünf coole Klassen

Die Auswahl an Helden ist Blizzard klasse gelungen. Mit Barbar, Mönch, Hexendoktor, Zauberer und Dämonenjäger (für alle Klassen ist das Geschlecht frei wählbar) sollte für jeden Spielertypen etwas dabei sein. Alle Klassen unterscheiden sich spürbar voneinander und bieten verschiedene Spielweisen, teilen sich aber eine wichtige Eigenschaft: Jede Klasse fühlt sich mächtig an und kann es im Alleingang mit einer ganzen Monsterarmee aufnehmen – anders als in einem klassischen MMO gibt's hier keine reinen Heiler, Tanks oder Damage Dealer, in Diablo 3 darf einfach jeder ordentlich zulangen. Da auch alle Helden gut vertont sind und sich oft in Dialogen beteiligen, macht es Spaß, nach dem ersten Durchspielen einen weiteren Charakter anzufangen und das Spiel so aus einem neuen Blickwinkel zu erleben.

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Flexibles Talentesystem

Die umstrittenste Neuerung in Diablo 3: Talentbäume, wie man sie aus Diablo 2 kennt, gibt's nicht mehr. Neue Fähigkeiten werden nun bei einem Levelaufstieg automatisch freigeschaltet. Der Spieler verteilt also keine Talentpunkte, was bedeutet, dass man sich nicht länger verskillen kann – dadurch ist das Spiel sehr einsteigerfreundlich. Blizzard hat das Talentesystem aber nicht nur vereinfacht, sondern es auch an anderer Stelle flexibler gemacht: Der Spieler kann seine Talente nämlich frei zusammenstellen und mit Runenmodifikatoren verändern. Manche dieser Runen sorgen nur für leichte Bonuseigenschaften und fallen daher etwas mickrig aus. Andere Runen hingegen verändern das Talent grundlegend, machen aus einem Flammenstrahl plötzlich eine Art Raketenwerfer, oder ein Froschregen wandelt sich zur Gegner mampfenden Riesenkröte. Witzig!

Auch die Runen werden beim Levelaufstieg mit den neuen Talenten freigeschaltet, bis zur maximalen Levelstufe 60. Der Reiz der Charakterentwicklung liegt nun also im munteren Experimentieren, nicht mehr in frühzeitiger Planung: Je länger man spielt, desto mehr Talente und Runen stehen zur Verfügung, desto vielseitigere Klassenkombinationen kann man entwerfen. Darin liegt der größte Unterschied zu dem Talentbaumsystem in Diablo 2: Dieses sorgte zu Spielbeginn nämlich für eine riesige Auswahl an Möglichkeiten, doch je hochstufiger man wurde, desto einseitiger und festgefahrener wurde der Held in seiner Entwicklung. In Diablo 3 verhält es sich genau anders herum.

Simple, nützliche Handwerksysteme

In Diablo 3 trifft man auf zwei spezielle NPCs, bei denen man Rohstoffe erzeugen und Juwelen verschmelzen darf. Mit Ersteren werden neue, mächtige Items hergestellt, Letztere hingegen setzt man in Sockel bestimmter Gegenstände ein, um ihnen so noch stärkere Boni zu verleihen. Diese beiden neuen Systeme fügen sich klasse ins Diablo-Konzept ein und peppen die altbekannte Suchtspirale aus Kämpfen und Belohnungen auf.

Einfache, präzise Steuerung

Ebenso simple wie elegante Maus- und Tastatursteuerung mit vielen Komfortfunktionen. Die Talenteauswahl ist weder intuitiv noch hübsch, erfüllt aber ihren Zweck. Tipp: Schaltet in den Spieloptionen den "Wahlmodus" an, damit ihr die Talente beliebig auf die sechs Aktionstasten verteilen können!

Angemessener Umfang, hohe Wiederspielbarkeit

Wer alleine spielt, die Levels sorgfältig erkundet und wirklich alle Dialoge führt (davon gibt's reichlich!), ist mindestens zehn Stunden beschäftigt, eher aber 15. Im Koop-Modus geht das alles etwas flotter, darum fällt die Spielzeit hier kürzer aus. Auf Normal ist Diablo 3 recht stressfrei durchgespielt, dieser Modus ist eher als Trainingsphase zu betrachten. Ab der zweiten Schwierigkeitsstufe Albtraum werden die Kämpfe jedoch spürbar fordernder, so dass man nun gezwungen ist, die Skillung zu überdenken, bessere Items anzulegen, die eigenen Taktiken zu verfeinern – ab hier sollten sich auch Diablo-Veteranen wohl fühlen. Durch die vier Schwierigkeitsgrade, zig Zufallsereignisse, fünf Klassen und teils zufallsgenerierte Umgebungen bietet Diablo 3 einen hohen Wiederspielwert.

Gute Sprachausgabe

Die deutschen Sprecher sind durchweg gut und motiviert, auch die Übersetzung ist gelungen. Besonders schön: Die Helden unterhalten sich häufig mit den Begleiter-NPCs, ein dickes Plus für die Atmosphäre! Die englische Fassung klingt zwar noch einen Tick besser, kann bei Bedarf aber kostenlos runtergeladen werden.

Exzellent gerenderte Zwischensequenzen

Wenig überraschend: Die gerenderten Filmsequenzen von Diablo 3 sind äußerst edel und leisten einen guten Beitrag zur Atmosphäre. 

Viele Komfortfunktionen, kurze Laufwege

In Diablo 3 muss man seine Leiche nach einem Bildschirmtod nicht mehr mühsam zurückholen. Durch Checkpoints, Wegpunkte und den Stadtportalzauber entfallen die meisten längeren Laufwege. Klasse: Im Koop-Modus braucht man nur das Banner eines Mitspielers anklicken, schon teleportiert man sich direkt zu ihm. Die Ladezeiten sind extrem kurz.

Vorhersehbare Story

Bevor man die Geschichte von Diablo 3 kritisiert, sollte man zwei Dinge feststellen. Erstens: Die Story zählt zum Besten, was man derzeit im Hack & Slay-Genre finden kann. Titan Quest, Torchlight, Sacred – sie reichen hier nicht an Diablo 3 heran. Zweitens. Diablo ist nicht durch seine Geschichte, sondern durch sein Spielprinzip bekannt geworden – die wenigsten Spieler werden beim zweiten, dritten Durchlauf noch auf die Dialoge oder die Charaktere achten, sondern sich vor allem auf die Beute, die Kämpfe und die Charakterentwicklung konzentrieren.

Dies bitte im Hinterkopf zu behalten, wenn ich nun nörgele: Ich hatte mir deutlich mehr von der Story erhofft! Dramatik und Spannung kommt allenfalls in den den gerenderten Filmchen auf; im Spiel selbst zeigt Blizzard jedoch nur ein paar trocken inszenierte Ingame-Sequenzen und kurze Dialoge, in denen die Charaktere selten etwas Interessantes zu sagen haben. Vor allem die Bösewichte bringen es praktisch nie auf mehr als ein "Ich mach euch alle platt!". Die Story bietet zwar eine sehr nette Wendung, die sich aber meist so früh ankündigen, dass ich nie wirklich überrascht wurde. Wer keinerlei Vorkenntnisse mit der Diablo-Reihe hat, wird zudem nicht alles auf Anhieb kapieren.

Talente werden automatisch freigeschaltet

Grundsätzlich ist das Talentesystem von Diablo 3 ein großer Gewinn – es ist einsteigerfreundlich, erlaubt flexible Charaktere und motiviert bis zur Maximalstufe 60. Allerdings vermisse ich bei einem Levelaufstieg das Gefühl, selbst etwas entscheiden zu können – ich muss nichts anklicken, kann meinen Pfad nicht beeinflussen, alle neuen Skills sind automatisch verfügbar. Den Talentbäumen und Attributpunkten aus Diablo 2 weine ich zwar keine Träne nach, doch ein wenig mehr Einfluss und Interaktion beim Stufenaufstieg hätte mir trotz allem gut gefallen.

Fazit

Stunden um Stunden, in denen ich sicherlich etwas Produktiveres hätte vollbringen können, habe ich mich mit meiner Barbarin Brunhilde durch wahre Massen an Monstern gemetzelt. Es fliegen Gedärme, es spritzt das Blut, Gegener zerbröseln vor meinen Augen, oder fliegen meterhoch in tausend Einzelteilen durch die Luft. Es ist und bleibt eine stupide, wie simple Freude Diablo 3 zu spielen. Alleine das Krachen der schweren, blutrot brennenden Zweihandaxt auf die klapperigen Knochen einer Hundertschaft Skelette ist ein Ohrenschmaus und für eine alte Diablo Veteranin die schönste Musik überhaupt, gekrönt vom süßen Klang der Goldmünzen, die in mein Säckel kullern, sobald ich die erste der unendlichen Dämonenwellen in Angriffformation zurück in die Hölle geschickt habe. Dies frohlockt auch meine Barbarin mit exellenter Sprachausgabe und auf dem Bildschirm ploppt der Zusatzbonus für das besonders brutale Gemetzel auf. Das wollte ich sehen. Jetzt mag sicherlich einer sagen, dass Diablo 3 nach dem erreichen der Maximalstufe langweilig ist und man die Geschichte ohnehin nach Beendigung der vier Akte auf Normal breits in und auswendig kennt. Stimmt, sage ich da, aber Diablo 3 ist in seiner Einfachheit so süchtig machend, dass man gar nicht anders kann, als immer weiter und weiter zu spielen. Immer mehr Loot, Gold und Erfolge zu sammeln und das in einer wahnwitzigen Geschwindigkeit, die ein Feuerwerk an Belohnungsmomenten auslöst. Es macht Spaß und jeder, der dem Hack & Slay Genre auch nur einen Funken abgewinnen kann, hat dieses Spiel auf dem Rechner.

Selbst mit nunmehr fast einem Jahr auf dem Buckel ist Diablo dennoch so lebendig wie am ersten Tag und Blizzard aktualisiert und verbessert wo es nur kann, zumal es zu Beginn heftige Kritik hagelte. Blizzard ließ sich nicht lumpen und packte eine dicke Portion Neuerungen, Geheimlevel, Überbosse, mehr und besseren Loot, eine Paragonstufe bis 100 und endlich, endlich die sehnlich vermisste Monsterpower in das Spiel. Diablo 3 ist sehr gut und besticht mit einer genreuntypischen Vielfalt und Qualität, dass man - der Kritiker zum Trotz - nur staunen kann. Wer Diablo nie gespielt hat, wird das sicherlich nicht begreifen können, doch er wird es verstehen, wenn er nur eine Stunde mit diesem Spiel zubringt. Meine Empfehlung zum Kauf gebe ich uneingeschränkt weiter.





            

Antworten Zuletzt bearbeitet am 09.05.2013 01:14.

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Re: Diablo 3 - Die Himmel sollen erbeben

von SoraUltima am 30.04.2013 07:52

Ich grüble schon sehr lange mir das Spiel mal anzusehen und auch mal zu probieren
Nur ein so großes Spiel würde meinen PC wieder voller machen und bestimmt wieder ne ganze ecke langsamer werden lassen
aber ok probieren kann mans ja mal^^
An den Klassen würde ich, was ich bisher so gelesen hab, wohl den Dämonenjäger nehmen, aber ok ich müsste mir das mal mit eigenen Augen ansehen
Da ich am überlegen bin mir eh ne PS3 zu holen, würde ich das Spiel mir wohl eher dafür holen als fürn PC 

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Re: Diablo 3 - Die Himmel sollen erbeben

von Desmodenia am 08.06.2013 19:29

Ich gestehe, dass Diablo 3 mit allen Updates und Patches mittlerweile 15,5 GB groß und bedarf, wie mittlerweile alle PC Spiele permanenten Internetzugang. Erstaunlicherweise frisst D3 wenig Bandbreite und ist mit heruntergeschrauber, immer noch hübsch anzusehender Grafik, selbst auf einem Internetstick spielbar.

Diablo 3 ist bis Stufe 13 kostenlos anspielbar. Von daher kannst du problemlos hineinschnuppern und dir selbst ein Bild machen. 





            

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